Dunkelheit.

Nichts als Dunkelheit, die mich komplett umschließt.

Alles ist wie ausgeblendet, unwirklich und verschwommen. Alles an das ich glaubte ist zerbrochen.

Ist das alles wirklich geschehen? Oder ist das nur ein böser Traum?

Das kann nicht wirklich geschehen sein. Bitte lass das nicht die Wirklichkeit sein.

Denn wenn es so ist, dann will, dann kann ich nicht mehr leben.

Leben ohne….

Nein!

Nein, das kann ich nicht!

Ein Schrei. Tränen. Ich weine. Weine hemmungslos. Es schüttelt mich so, dass ich ihren leblosen Körper an mich drücken muss.

Ihren leblosen, leblosen Körper….

Oh, bitte komm zurück.

Wie konnte es nur soweit kommen? Warum habe ich es zugelassen?

 

Stimmen.

Sie rufen mich. Rufen meinen Namen. Und ihren.

 

»Daniel! Jessica!«

»Verdammt, wo seid ihr! Antwortet doch. Daniel! «

 

Schritte. Sie nähern sich. Gleich sind sie da. Doch sie werden sie nicht mehr retten können und mich auch nicht, denn ich gehe mit ihr. Ich lasse sie nicht allein.

 

»Hey, hier ist was! Helft mir mal. «

 

Ein lautes Ächzen. Die fest verschlossene Tür ist offen. Sie sind da.

 

»Oh mein Gott. Was ist hier denn passiert? «

»Daniel? Daniel, was ist passiert? Antworte doch! Was verdammt noch mal ist hier passiert. Jetzt sag schon! «

 

Jemand schüttelt mich. Zerrt an mir. Verlangt Antworten. Doch ist es nicht offensichtlich – sie ist tot. Sie hat uns, sie hat mich verlassen und kommt nicht zurück.

 

»Daniel!«

»Hör auf, Owen. Das bringt nichts. Lass ihn los. «

»Oh mein Gott, oh mein Gott. Sie ist, sie ist…. Wie konnte das nur…. «

»Shh, ist schon gut Lisa. Beruhige dich. Es wird alles gut. «

»Nichts wird gut, Joshua. Wie könnte das wieder gut werden? «

»Halt die Klappe Owen. Das hilft genauso wenig. Wir müssen ruhig bleiben. Bring Lisa hier raus. Na los, mach schon. «

»Komm Lisa. Ich bring dich zu den Anderen. «

 

Jemand kniet neben mir. Berührt mich tröstend. Doch es gibt keinen Trost!

 

»Daniel? Daniel, ich bin’s Joshua. Kannst du mich hören? Bist du verletzt?

Daniel?«

 

Ich will nicht antworten. Alles verschwimmt. Ich will nur mit ihr gehen. Alles wird taub. Ich ertrage diese Fragen nicht. Lasst mich doch einfach mit ihr gehen.

Ich wiege sie in meinen Armen. Vor und zurück. Und dann wird alles schwarz.

Dunkelheit.

 

Kapitel 1

 

 

Rick schaute in den Spiegel. Seine blauen Augen blickten müde zurück. Er hatte die letzte Nacht nicht sehr gut geschlafen. Immer wieder schreckte er aus bizarren Träumen auf; unzusammenhängende, verzerrte Bilder. Er konnte die Bruchstücke nicht einordnen.

Das Wasser begann zu rauschen als Rick die Dusche anstellte.

Eine kalte Dusche weckt sogar Tote wieder auf, dachte er sich und musste unwillkürlich grinsen.

Rick schien ein ganz gewöhnlicher Mensch zu sein. Er stand jeden morgen auf und ging zur Arbeit. Er hatte eine kleine Detektei ein paar Straßen weiter. Sie war nicht groß, aber es reichte um alles zu bezahlen was so anfiel. Außerdem hatte er noch etwas von dem Erbe seines Vaters. Er musste auch keine Gehälter zahlen, denn er war sein einziger Angestellter.

Er ging also jeden Tag seiner Arbeit als Privatdetektiv nach und machte sich abends wieder auf den Weg nach hause. So wie es alle taten.

Doch war er nicht wie alle. Rick trank und aß nicht, jedenfalls nicht so wie es andere Menschen taten, und er sah mit seinen 79 Jahren aus wie 30. Denn Rick war ein Vampir.

Sein Aussehen unterschied sich nicht von dem anderer Menschen. Nur seine Fähigkeiten und Schwächen entlarvten ihn.

Ein Vampir besaß übermenschliche Stärke und Schnelligkeit und seine Sinne waren besonders geschärft. Einen Aufenthalt in der Sonne allerdings, ließ ihn zwar nicht zu staub zerfallen, aber sie schwächte ihn deutlich. Genauso war es mit dem allseits bekannten Pflock. Auch er vernichtete einen Vampir nicht, sondern lähmte ihn nur und machte ihn so verwundbar.

Feuer allerdings war eine tödliche Gefahr und das Abtrennen seines Kopfes war endgültig.

Doch als seine größte Schwäche empfand Rick, das Trinken menschlichen Bluts.

Das er Menschen töten musste, um selbst zu leben war etwas, was er nur schwer ertrug. Schließlich war er auch einmal ein Mensch gewesen und das er jetzt keiner mehr war, ertrug Rick ebenfalls nur sehr schwer. Auch nach 49 Jahren viel es ihm nicht leicht sich damit abzufinden, denn er hatte damals nicht in die Verwandlung eingewilligt.

Rick stellte das Wasser ab und wickelte sich ein Handtuch um. Er ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und nahm einen Beutel mit Blut heraus. Er füllte den Inhalt in ein Glas und trank sein Frühstück, während er in sein Schlafzimmer ging. Ricks Wohnung war sehr geräumig und stilvoll eingerichtet.

Wenn man die Wohnung betrat gelangte man sofort in den großen Wohnraum, der vom Eingangsbereich nur durch eine Stufe getrennt wurde

Rick stellte das Glas auf den Nachttisch ab und wollte sich grade anziehen als sein Handy klingelte.

»Rick Stern «, meldete er sich.

»Hey, ich bin’s Joshua. Hör mal, ich schmeiß heute ne kleine Party, also wenn du Lust hast komm doch vorbei. « am anderen Ende erklang die Stimme von Ricks Freund.

Joshua war ebenfalls ein Vampir, allerdings das schon seit über 300 Jahren. Er war sehr wohlhabend und arbeitete als Manager eines großen Konzerns.

»Ich weiß noch nicht «, antwortete Rick, »bin grad an einem Fall dran. «

»Ach, komm schon. Du kannst doch nicht dein ganzes Leben lang nur arbeiten. Vergiss nicht das Leben eines Vampirs ist lang. Im Normalfall eine Ewigkeit.«

»Also hab ich noch viel Zeit, um Partys zu feiern. «

»Gutes Argument, aber diese Party wird einzigartig, unglaublich, fantastisch, unbeschreiblich, …. «

»Schon gut. Ich habe es kapiert «, räumte Rick ein.

»Also kommst du? «

»Abhängig davon wie die Ermittlungen heute laufen. Mehr kann ich dir nicht versprechen. «

»Immerhin etwas. Allerdings fühl ich mich persönlich beleidigt, wenn du dich nicht blicken lässt. Nur schon mal als Vorwarnung. «

Rick musste grinsen, typisch Joshua.

»Schon klar und das wollen wir natürlich nicht. «

»Aber auf gar keinen Fall. Bis später dann. « beendete Joshua das Gespräch.

Im Gegensatz zu ihm, genoss Joshua sein unsterbliches Leben. Frisches, warmes Blut bevorzugte er am liebsten und hatte deshalb auch nichts dagegen hin und wieder einen Menschen zu beißen. Trotz der großen Unterschiede und gegensätzlicher Vorstellungen, waren beide schon lange gut befreundet.

Rick nahm das Glas wieder in die Hand und trank einen Schluck. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass er sich ein bisschen beeilen musste und so zog er sich schnell weiter an. Rick bevorzugte eher dunkle Kleidung. Und so trug er auch heute schwarze Jeans, ein dunkelblaues Hemd und ein schwarzes Jackett darüber.

Auf dem Weg in die Küche leerte er das Glas und stellte es schließlich in die Spüle. Bevor er seine Wohnung verließ kämmte er noch schnell sein braunes, bis in den Nacken reichendes, leicht gewelltes, Haar zurück und setzte seine Sonnenbrille auf.

Ein paar Sekunden später zog Rick die Tür ins Schloss und machte sich auf den Weg zu seiner Detektei.

 

Vor der Tür wartete bereits ein Mann. Als er Rick bemerkte ging er schnell auf ihn zu.

»Sind Sie Rick Stern? «

»Ja, der bin ich. Was kann ich für Sie tun. «

»Mein Name ist Miles Jensen. Wir hatten gestern Abend miteinander telefoniert. «

»Ich erinnere mich. Sie wollten mit mir persönlich sprechen und nicht am Telefon. Worum geht es denn? «

Rick schloss die Tür auf und bedeutete Herrn Jensen einzutreten.

Der Raum war dunkel. Durch die Jalousie fielen ein paar Lichtstrahlen auf den Schreibtisch, der weiter hinten im Raum stand.

»Es geht um meine Tochter, sie ist seit vorgestern Nacht verschwunden. « begann Herr Jensen und nahm auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch platz.

»Sie wird also vermisst. Waren Sie schon bei der Polizei? «

»Ja, aber die wollen scheinbar nichts tun. Sie meinen, dass Lindsay sicher bald wieder auftauchen wird. «

»Und was meinen Sie? Ist sie einfach nur weggelaufen? «

Rick sah den Mann durchdringend an.

»So etwas würde sie niemals tun. Sie wollte nur mit ihren Freundinnen ins Kino gehen und dann wieder nach hause kommen. Sie würde nicht einfach so wegbleiben. Nicht ohne mir bescheid zu geben. «

»Haben Sie schon mit Lindsays Freundinnen gesprochen? «

»Sie sagen sie hätten sich zwei Straßen vor unserem Haus getrennt und Lindsay wäre den Rest alleine gegangen. Verstehen Sie, nur zwei Straßen, aber niemand weiß was mit ihr passiert ist. Sie ist doch erst 18 Jahre alt. Sie müssen mir helfen. Ich hörte Sie seien sehr gut und hätten Erfahrung mit solchen Fällen. « Rick sah in das verzweifelte Gesicht des Mannes, der ihn so sehr um Hilfe bat. Da wird wohl Joshuas Party warten müssen, dachte er sich und empfand es nicht unbedingt als Verlust.

»Ich muss zunächst einmal recherchieren, bevor ich weiß, ob ich Ihnen helfen kann. «

»Oh bitte, ich gebe Ihnen alles was Sie wollen. « flehte Herr Jensen ihn an.

»Geben Sie mir erst einmal alle Information die Sie haben. Was ihre Tochter für ein Mensch ist, was sie an dem Abend getragen hat und wann und wo sie ungefähr verschwunden ist. «

 

Wenig später machte sich Rick auf den Weg zu dem Kino, wo die Mädchen sich einen Film angeschaut hatten. Lindsays Vater hatte ihm ein Foto seiner Tochter mitgegeben.

Dieses wollte Rick dem Kartenverkäufer zeigen, in der Hoffnung, dass dieser sich vielleicht daran erinnerte, wann die Mädchen das Kino wieder verlassen hatten. Der Zeitpunkt war entscheidend, um zu rekonstruieren was passiert war.

Leider konnte der Verkäufer sich nicht genau an die Mädchengruppe erinnern, da es an dem Abend sehr voll gewesen war. Doch wusste er noch, dass alle Filme ungefähr zwischen halb zehn und zehn endeten. Lindsays Weg vom Kino bis nach hause betrug grade mal zwanzig Minuten. Fünfzehn davon war sie mit ihren Freundinnen zusammen und nur fünf allein. Rick beschloss sich die Stelle anzusehen, wo sich die Gruppe trennte.

Er ging die Straße entlang und suchte nach Hinweisen. An einer Kreuzung blieb er stehen. Hier zeichneten sich deutlich Reifenspuren ab. So als hätte jemand einen rasanten Start hingelegt.

Blut.

Auf dem Gehweg davor fand Rick ein paar Blutstropfen. Es war weibliches Blut, der Geruch war unverkennbar. Lindsay wurde hier angegriffen. Sie wehrte sich und konnte sich für einen Moment losreißen. Dabei schnitt ihr etwas in den Arm. Doch ihr Kampf war vergebens, denn sie wurde erneut gepackt.

»Wo hat man dich nur hin gebracht? Und vor allem wer? « fragte sich Rick leise. Er wusste zwar jetzt, dass ihr Vater recht gehabt hatte, aber immer noch nicht genau was mit Lindsay passiert war und wie er sie finden sollte.

Vielleicht wird die Befragung der anderen Mädchen etwas Neues ergeben, hoffte Rick und begab sich zum ersten Haus, dessen Adresse Herr Jensen für ihn auf geschrieben hatte.

 

Als Rick das erste Haus gefunden hatte, klopfte an die Tür. Es dauerte etwas, aber dann öffnete eine Frau ihm die Tür einen Spalt breit.

»Was wollen Sie? « fragte sie sehr unhöflich.

»Mein Name ist Rick Stern, Privatdetektiv. Lindsays Vater hat mich mit der Suche nach ihr betraut. Kann ich mit Ihrer Tochter sprechen? Es wird nicht lange dauern. «

»Verschwinden Sie. «

»Bitte! Es ist wichtig, dass ich mit ihr spreche. «

»Ich sagte Sie sollen verschwinden. Sie hat genug durch gemacht. Diese ganzen Verhöre. Es reicht! Lassen Sie uns in Ruhe. «

»Aber….« Doch die Tür wurde schon wieder zu geknallt.

Na toll! Rick war frustriert.

Ich kann verstehen was in den Familien vorgeht. Was wenn es nicht Lindsay getroffen hätte, sondern eines der anderen Mädchen? Darüber machen sich Eltern Gedanken. Darüber machen sie sich Sorgen. Es ist immer ein Schock zu erfahren, dass diese Welt nicht so sicher und beschaulich ist wie man denkt. Das das Schicksal einen nicht verschont. Und das solche Dinge jeden treffen können. Nun hat es Lindsay getroffen und ich hoffe ich finde sie. Vielleicht habe ich bei der anderen Familie mehr Glück.

Rick erreichte das nächste Haus. Auch hier öffnete ihm eine Frau.

»Kann ich Ihnen helfen? « fragte die Frau skeptisch.

»Hallo. Mein Name ist Rick Stern, Privatdetektiv. Lindsays Vater hat mich beauftragt. Ich möchte gerne mit Ihrer Tochter sprechen. Wäre das möglich? «

Die Frau nickte zwar überrascht, aber bat Rick hinein.

»Schreckliche Geschichte. Ich hoffe Sie können sie finden. Lindsay ist so ein liebes Mädchen. Gar nicht auszudenken, was sie durchmacht. Kim, kommst du mal runter! «

»Was ist denn los? « Kim kam die Treppe herunter gelaufen und musterte Rick.

»Das ist Rick Stern, er sucht nach Lindsay und möchte dir ein paar Fragen stellen. «

»Okay! « Kim ging an Rick und ihrer Mutter vorbei ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch unterm Fenster. Rick folgte ihr und nahm gegenüber Platz.

»Ich weiß, du hast das alles schon der Polizei erzählt. Du musst auch nicht alles wiederholen. Wichtig ist für mich, ob irgendetwas Merkwürdiges an diesem Abend passiert ist. Sei es vor dem Kino oder während des Films. Alles was dir so einfällt. Vielleicht auch Dinge die dir unwichtig erscheinen. «

Kim nickte und begann zu berichten.

»Wir haben uns am Kino getroffen, allerdings etwas früher. Wir wollten noch was trinken. Unten im Kino gibt es ein Café. «

»Und da habt ihr euch reingesetzt? « Kim nickte nur.

»Während ihr etwas getrunken habt, ist da etwas passiert? «

»Nichts Besonderes, wir saßen da, haben was getrunken und uns unterhalten. «

»Es muss nichts Außergewöhnliches sein, vielleicht sogar etwas ganz Banales. «

»Warten Sie. Ein Typ kam an unseren Tisch, er verteilte irgendwelche Flyer für einen Club. Hat uns nicht weiter gekümmert, aber beim Weggehen grinste er uns so komisch an. Wir haben uns nur gedacht, was für ein Freak. «

»Ein Flyer! Hast du den noch? «

»Das weiß ich nicht. Ich müsste nachsehen. Einen Moment. « Und mit diesen Worten verschwand sie wieder nach oben.

Ein paar Minuten später kam Kim wieder die Treppe herab!

»Ich hab ihn. Er war in meiner Jacke. « Kim gab Rick den Flyer.

Das Nox. Rick kannte den Club.

»Heute Abend soll da wohl ne Party sein. Aber der Schuppen wäre gar nichts für uns. Da wären wir nie hingegangen. « Rick nickte. Er wusste was sie meinte. Das Nox wurde überwiegend von der Metal- und Gothik-Szene beherrscht. Nichts für diese Mädchen.

Das düstere Ambiente zog auch den einen oder anderen Vampir an. Da Schmerz und Blut auch oft eine Rolle spielten, fand man hier sogar Menschen, die es genossen von einem Vampir gebissen zu werden. Natürlich war die Existenz von Vampiren in der breiten Bevölkerung unbekannt, aber in gewissen Kreisen wusste man, dass sie existierten. Und das Nox vereinte diese Kreise.

»Ich denke du hast mir schon geholfen. « sagte Rick nachdenklich.

»Bitte, Sie müssen sie finden. Keine von uns hätte alleine gehen sollen. Ich mach mir solche Vorwürfe. «

Kim begann zu weinen und ihre Mutter tröstete sie.

»Ich werde alles tun was ich kann, « versprach der Detektiv und ging allein zur Tür.

Das Nox also. Na, dann werde ich wohl doch noch auf eine Party gehen.

 

Am Abend reihte sich Rick in die lange Schlange vor dem Nox ein. Während er wartete eingelassen zu werden blickte er sich um. Die Menschen um ihn herum waren schon in guter Feierstimmung. Doch neben den Menschen witterte Rick auch Vampire. Sie waren ebenso zum Feiern hier. Na ja, und vielleicht um an etwas Blut zu gelangen.

Es dauerte einige Zeit, doch dann stand er vor dem Türsteher, der ihn genau musterte. Nach einem kurzen Nicken ließ er Rick schließlich hinein.

Rick gelangte in den Eingangsbereich, wo man seine Jacke abgeben konnte.

Durch einen breiten Eingang kam man dann schließlich in den eigentlichen Club.

Es gab mehrere Theken, die größte lag auf der rechten Seite gleich hinter dem Eingang. Ihr schräg gegenüber war noch eine etwas kleinere. Auf der anderen Seite des Raums befand sich eine Bühne. Hier traten hin und wieder mehr oder minder berühmte Bands auf. Davor war genug Platz zum tanzen.

Überall gab es Sitzgelegenheiten, Stehtische und dunkle Nischen, in denen man sich zurück ziehen konnte.

Wenn man vor der Bühne links abbog, erreichte man einen weiteren Raum. Auch hier bekam man etwas zu trinken. Allerdings wurde den Zuschauern in diesem Teil des Clubs eine außergewöhnliche Show geboten. Neben skurrilen Darbietungen, tanzten Frauen und Männer abwechselnd, um die Besucher zu unterhalten. In diesem Raum war es noch etwas dunkler und düsterer. Abscheuliche Bilder und Gegenstände wirkten sofort auf den Hereinkommenden ein. Das Nox war mit Sicherheit nichts für zarte Gemüter. Dennoch waren es keine gestörten oder gewalttätigen Leute die hierher kamen. Sie waren nur anders. Und da es im Nox auch ganz besondere Kundschaft gab, bekam selbst jemand wie Rick hier etwas zu trinken.

Und so setzte sich Rick zunächst an die kleinere von beiden Theken.

»Was darf es denn sein? « fragte die Frau hinter dem Tresen.

»B positiv. «antwortete Rick.

Auch wenn ein Vampir jedes Blut trinken würde, um seinen Hunger zu stillen, hat jeder von ihnen eine Blutgruppe die er bevorzugt. Bei Rick war es B positiv. Sie gab es nicht ganz so häufig wie A oder 0 und so war es ein seltener Genuss.

Die Bedienung stellte mit einem vielsagenden Lächeln das Glas mit Blut auf die Theke. Nachdem Rick bezahlt hatte nahm er einen großen Schluck und drehte sich zur Tanzfläche um. Er sah sich die Gäste aufmerksam an, doch nirgendwo war ein Zeichen von Lindsay oder ihrem Entführer.

Wenn diese Spur ins Leere läuft steh ich wieder ganz am Anfang.

Doch Rick wollte noch nicht aufgeben. Er stand auf und suchte sich ein ruhiges Plätzchen in einem der hinteren Nischen. Sie lagen sehr im Schatten, so dass er von dort aus unbemerkt den Eingang beobachten konnte.

Die verschiedensten Personen gingen ein aus. Ganze Gruppen feierten zusammen. Das Nox wurde immer voller und voller. Nach einiger Zeit konnte Rick von seiner Position aus nicht mehr alles überblicken also beschloss er sich im Club umzuschauen. Er drängte sich durch die Menge, an der Bühne vorbei und gelangte zum hinteren Raum. Er hörte das Johlen und Grölen begeisterter Zuschauer der Tanzeinlage einer jungen Frau.

Die Tänzerin, nicht älter als zwanzig, tanzte grade um eine Stange herum als sie Rick ins Auge faste. Sie stieg die Bühne herab und begann um ihn herum zu tanzen.

»Hey, hast du nicht Lust gleich was trinken. «

»Tut mir leid, ich warte auf jemanden. »Und während du wartest könnten wir uns doch an die Theke setzen. Nur ein Drink? « fragte sie zuckersüß und blickte ihn mit Rehaugen an.

Rick musste grinsen.

»Ich fühle mich ja geschmeichelt, aber ich denke ich bin zu alt für dich. «

»Ich mag ältere Männer. « Sie blickte ihm tief in die Augen. Rick erwiderte den Blick und kam ganz nah an sie heran.

»Nicht so alt. « er grinste viel sagend und nun verstand die junge Frau.

Als Rick weiter ging blickte sie ihm noch einen Moment nach und führte dann ihre Show fort.

Rick suchte sich einen Tisch, als er bemerkte, dass weiter hinten eine hitzige Diskussion begonnen hatte.

»Warum hast du sie mit hier her gebracht? Hast du sie nicht mehr alle? «

»Krieg dich wieder ein, Kyra. Was soll denn schon passieren oder bist du etwa eifersüchtig? «

»Eifersüchtig? Auf diese kleine Schlampe? Was hat ist die schon besonderes? Sie ist ein ganz gewöhnlicher, langweiliger Mensch! «

»Was hast du dann für ein Problem? «

»Das weißt du ganz genau Steven. Wir könnten auffliegen. «

»Ach, du machst dir viel zu viele Sorgen. Wer interessiert sich denn schon für sie? «

Rick ging näher heran, um etwas sehen zu können. Eine Gruppe Junger Leute hatte es sich in einer Ecke gemütlich gemacht.

»Hey, was ist denn hier los? « Einer der Türsteher stieß zu der Gruppe.

»Bitte, helfen Sie mir. Diese Leute halten mich hier fest. « Ein junges Mädchen meldete sich zu Wort, doch Rick konnte ihr Gesicht im Dunkeln nicht erkennen. Doch in ihrer Stimme lag Angst.

»Halt die Klappe! Ach, sie macht nur Spaß. Ist es nicht so? « Doch es klang mehr nach einer Drohung als nach Spaß und so ging Rick noch näher heran.

»Wenn ihr hier irgendeine Scheiße am Laufen habt, die den Club in Ärger verwickelt, dann solltet ihr euch vor Leila in Acht nehmen. Nicht das gleich hier die Polizei auf der Matte steht, denn sie würden hier einige ungewöhnliche Dinge finden. Grade ihr müsstet wissen was ich meine. Also ich hab euch im Blick. « Mit einer deutlichen Geste wandte sich der Türsteher ab und ging wieder auf seine Position.

»Siehst du Steven, ich hab es dir gesagt. «

»Es ist doch gar nichts passiert. «

»Noch nicht. Also ich verschwinde. Ich habe keine Lust mich mit Leila anzulegen. Die kann uns nämlich alle locker fertig machen. « Kyra nahm ihre Jacke und drängte sich durch die Menge.

»Komm schon Kyra, bleib! Was soll das denn? «

»Vergiss es. Lass sie doch einfach gehen. Wir können uns auch ohne sie amüsieren. «

Rick hätte sofort rüber gehen und sich Gewissheit schaffen können, doch er wartete. Er wollte nichts überstürzen, denn so etwas ging dann meistens nicht so gut aus.

»Bitte lasst mich gehen. Was wollt ihr denn von mir? Ich versteh das Ganze nicht. «

»Gehen? Du kannst nicht mehr gehen. «

»Was bedeutet das? Ich weiß nicht was das bedeutet! Bitte! « Große Verzweiflung und Angst klang in ihrer Stimme mit.

Die anderen Gäste drum herum wurden immer aufmerksamer. Ein Mädchen äußerlich vielleicht 16 Jahre, doch Rick spürte, das sie viel älter war, ging rüber zu der Gruppe.

»Was ist hier eigentlich los? Es scheint nicht so als ob sie freiwillig in eurer Gesellschaft ist. Ihr wisst, dass so etwas gegen die Regeln ist. «

»Was willst du Kleine denn? Kümmere dich um deine Angelegenheiten. «

»Wenn ihr die Regeln verletzt, dann sind das meine Angelegenheiten. «

»Seit wann ist es verboten einen Menschen zu beißen? Das wäre mir neu. «

»Das ist es nicht, aber ihr macht es Öffentlich. «

»Wir sind hier im Nox, da ist das kein Problem. «

»Es ist hier nur kein Problem, wenn der Mensch es freiwillig will. Ansonsten ist das etwas, was im Verborgenen geschehen sollte. «

»Aber vielleicht sollte es nicht mehr im Verborgenen passieren, vielleicht sollten die Menschen unsere Macht sehen und sie fürchten. «

»Heißt das du stellst dich gegen die Regeln, gegen die Gemeinschaft und wählst die Gegenseite? «

»Die Gegenseite hat auf jeden Fall mehr Spaß. Sie tun einfach das, was sie wollen. Wir haben so viel Macht, wozu sich an irgendwelche Regeln halten. «

Das Mädchen blickte ihn angewidert an.

fortsetzung folgt.

von
sarah

 

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